Seit dem 1. April 2004 erhalten Asylsuchende mit einem Nichteintretensentscheid
keine Fürsorgeleistungen mehr. Sie werden auf die Strasse gestellt und
haben - in ständiger Angst, beim Versuch inhaftiert zu werden - lediglich
die Möglichkeit, um eine sehr rudimentär gehaltene Nothilfe nachzusuchen.
Diese massive Verschärfung des Asylrechts soll sie dazu zwingen, unser
Land "selbstverantwortlich" zu verlassen.
Was aber geschieht mit diesen Menschen? Reisen sie wirklich aus? 53 %
sind sogenannt "unkontrolliert" abgereist. Viele von ihnen sind wohl untergetaucht
ins Heer der illegal Anwesenden, nicht zuletzt auch jene, denen eine Ausreise
aufgrund fehlender Papiere oder aufgrund fehlender Finanzen für die Rückreise
schlicht verwehrt ist. Betroffen sind die Schwächsten in diesem Land.
Jene, die keine politische Verfolgung nachweisen können oder jene, die
ihre Heimat "nur" auf der Suche nach einer besseren Zukunft verlassen
haben (wer die Auswanderungsgeschichte gerade unseres Kantones studiert,
sollte eigentlich verstehen können, dass Armut und Hunger - in ihrer oftmals
lebensbedrohlichen Intensität - durchaus legitime Migrationsgründe sind).
Solange wir in Westeuropa und damit auch in unserem Kanton zu den Siegerinnen
und Siegern des weltweiten Ungleichgewichts gehören, solange wir davon
profitieren, dass der Reichtum unseres Landes (der auch hier bei uns schon
lange nicht mehr allen zugänglich ist) mit auf Ausbeutung und einem überdimensionalen
Verschleiss an Ressourcen beruht, so lange werden wir damit leben müssen,
dass die Verliererinnen und Verlierer dieses Ungleichgewichtes an unseren
Grenzen stehen und Einlass begehren auf der legitimen Suche nach einem
besseren Leben.
Beatrice Klaus
Beitrag zu den Grossratswahlen, veröffentlicht in der Aargauer Zeitung
vom 7. Februar 2005